Das schlechte Gewissen
Einen an Demenz erkrankten Angehörigen auf Dauer zu Hause zu pflegen gelingt langfristig nur wenigen. Die Herausforderung Tag und Nacht im Einsatz zu sein, möglicherweise noch berufstätig eingebunden oder gar Kinder mit zu betreuen, lassen die guten Vorsätze relativ rasch hinter der Realität verschwinden. Ganz besonders bei Fortschreiten der Erkrankung. Wenig hilfreich bei der Überlegung die Pflege des geliebten Angehörigen in professionelle Hände zu geben, sind die Vorwürfe Außenstehender, die alles besser wissen und doch zur Pflege nichts beitragen.
Es ist keinem damit geholfen durch die ständige Überforderung selbst krank zu werden. Manchmal ist der Schritt die Pflege einem professionellen Team in einer entsprechenden Einrichtung zu überlassen, für alle Beteiligten der bessere Weg. Ausgeruht in Ruhe ohne Zeitdruck den Angehörigen regelmäßig zu besuchen, nachts wieder schlafen und tagsüber seinen zahlreichen Verpflichtungen in Familie, Beruf oder Freizeit nachkommen zu können, heißt ja nicht, dass man sich nicht mehr sorgt und kümmert.
Das ständig schlechte Gewissen ist leider zäh. Hier hilft der Austausch mit anderen Angehörigen z.B. in Selbsthilfegruppen oder das offene Gespräch mit Familienmitgliedern und Beratungsstellen.
Sich bewusst zu machen, dass eine gute Pflegeeinrichtung oft die bestmögliche Unterstützung bietet, die man selbst zu Hause gar nicht leisten kann, die Lebensqualität des Angehörigen gilt es ebenso zu erhalten oder zu verbessern wie eine gute Versorgung des Kranken.
Manchmal muss man auch den Mut haben neue Wege zu gehen.

